Das Jahr 2021: ETFs mit ESG-Ansatz im Aufwind

Montag, 02. Mai 2022

Expertenmeinung

                           

Der europäische ETF-Markt ist 2021 stark gewachsen. Getragen wurde das Wachstum zu einem erheblichen Teil von der großen Nachfrage nach ETFs, die ESG-Kriterien berücksichtigen. 

Eine Kursrallye an den Aktienmärkten, ausgelöst durch eine Erholung von der Covid-19-Pandemie, hat dem europäischen ETF-Markt 2021 ein starkes Wachstum beschert. 

                                     
Das gesamte in ETFs verwaltete Vermögen hat 2021 zum ersten Mal die Marke von 1.000 Milliarden Euro überschritten und ist von 978 Milliarden Euro Ende 2020 auf 1,3 Billionen Euro ein Jahr später gestiegen. Dies entsprach einem Zuwachs von rund 33 Prozent1. Das Nettomittelaufkommen ist dabei von 98 Milliarden Euro 2020 auf 158 Milliarden Euro im Folgejahr gestiegen2. Dieser Wachstumstrend wird sich unserer Meinung nach fortsetzen.

Die Nachfrage nach Fonds mit Berücksichtigung der Themen Umweltschutz, Soziales und guter Unternehmensführung steigt rasant.

                                            

Hauptwachstumsfaktoren bei ESG

In einem insgesamt positiven Umfeld stach ein Trend ganz besonders hervor: Die Nachfrage nach Fonds mit besonderer Berücksichtigung der Themen Umweltschutz, Soziales und gute Unternehmensführung (Environmental, Social, Governance – ESG) stieg rasant. Auf ETFs mit Berücksichtigung von ESG-Kriterien entfielen knapp 60 Prozent der Nettomittelzuflüsse im Aktienbereich und rund 46 Prozent im Rentenbereich. ESG-ETFs hatten damit einen Anteil von mehr als 50 Prozent der Nettomittelzuflüsse im Jahresverlauf zu verzeichnen3. Das gesamte in ESG-ETFs in Europa verwaltete Vermögen hatte sich mit über 200 Milliarden Euro damit zum Jahresende 2021 gegenüber 2020 mehr als verdoppelt4.

Wir sehen generell drei Hauptfaktoren für die anhaltende Nachfrage bei ESG:

  1. Anleger lassen sich zunehmend für ESG-Themen sensibilisieren und haben ein Bewusstsein dafür entwickelt, dass sich durch ESG-Anlagen positive Veränderungen bewirken lassen.
  2. Regulatorische Anforderungen, insbesondere die EU-Offenlegungsrichtlinie (Sustainable Finance Disclosure Regulation – SFDR), machen ESG-ETFs transparenter und damit attraktiver.
  3. Das Angebot an ESG-ETFs wächst mit hoher Geschwindigkeit. Anleger bekommen dadurch Zugang zu einer größeren Palette an speziellen Märkten und Themen. Dies trägt nicht zuletzt auch zu einer breiteren Aufstellung von Portfolios bei.

                                       

                               

Anleger zeigen sich (wieder) risikofreudiger ...

Das im Jahr 2021 konstant über den Prognosen liegende Wirtschaftswachstum in Kombination mit der anhaltenden Unterstützung der Zentralbanken sorgte für steigendes Interesse an Aktien-ETFs. Internationale Aktien und US-Aktien waren mit 45 bzw. 30 Prozent der Nettomittelzuflüsse die größten Gewinner5. Renten-ETFs hatten angesichts des anhaltenden Inflationsdrucks und einer wachsenden Wahrscheinlichkeit von Zinserhöhungen mit einem schwierigeren Umfeld zu kämpfen6. Vor diesem Hintergrund waren ETFs mit Inflationsschutz sehr gefragt. Mit einem Mittelzufluss von über 6,1 Milliarden Euro gegenüber 3,2 Milliarden Euro im Jahr 2020 verzeichnete dieses Segment ein Plus von mehr als 90 Prozent7. Trotz der allgemein schwierigen Marktbedingungen war bei Renten-ETFs im Jahresverlauf ein positiver Mittelzufluss zu beobachten, was auf eine höhere Risikobereitschaft und anhaltende Renditeorientierung zurückzuführen war.

... bis eine neue Bedrohung alles überschattete

Die russische Invasion in die Ukraine im Februar dieses Jahres löste bei Anlegern einen Fluchtreflex in Richtung relativ sicherer Anlagen aus, sodass sich einige Trends des vergangenen Jahres umkehrten. Die Daten zu den Mittelbewegungen für den Februar zeigen einen sprunghaften Anstieg der Nachfrage nach Gold-ETPs, aus denen in der zweiten Jahreshälfte 2021 wegen der allgemein positiven Stimmung an den Märkten noch Kapital abgezogen worden war. Gold steht tendenziell hoch im Kurs, wenn Anleger den Wert ihrer Portfolios absichern möchten. ETFs mit einer Ausrichtung auf Schwellenländer verzeichneten Rückflüsse, da Anleger Risiken in ihren Portfolios abbauen und ihr Engagement im Osten reduzieren wollten.

                                                  

1.ETFGI-Daten, Stand: Dezember 2020, Amundi-Daten Stand: 28. Dezember 2021 für 2021 Zahlen
2.ETFGI-Daten, Stand: Dezember 2020, Amundi-Daten Stand: 28. Dezember 2021 für 2021 Zahlen
3.Amundi ETF, A Regime Shift: 2022 Outlook, 31 December 2021
4.Amundi ETF, A Regime Shift: 2022 Outlook, 31 December 2021
5.Amundi ETF, A Regime Shift: 2022 Outlook, 31 December 2021
6.Amundi Institute, Bloomberg
7.Amundi ETF, A Regime Shift: 2022 Outlook, 31 December 2021